Transatlantic tidbits on language & life

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Kategorien/Categories:    ›Lifestyle‹  ›Sprachkultur/Language culture‹  ›DE‹   –  07.06.2010

Der globale Ameisenhaufen


Ich liebe Campingplätze. Nicht nur, weil das Leben dort unendliche Unterhaltung bietet, sobald man sich einfach nur mit einer Tasse Tee auf die Isomatte vors Zelt setzt. Sondern vor allem auch, weil es dort so international zugeht. Campingplätze sind praktisch eine Art globaler – oder zumindest europäischer – Mikrokosmos.

Einerseits gibt es das heitere Nationalitätenraten: lässt sich anhand der Ausrüstung, der Art des Zeltaufbauens oder sonstiger Gepflogenheiten sagen, aus welchen Lande die Camper kommen? Reisen sie alleine oder bauen sie mit Mitfahrern Wagenburgen? Grenzen sie sich ab und pflegen ihre Privatsphäre oder halten sie jeden Abend Party vor dem Camper? Es ist erstaunlich (oder vielleicht auch nicht), wie sehr typische Gewohnheiten des Alltags sich auch in den Urlaub einschmuggeln... Ob man richtig oder falsch liegt, lässt sich bei den Autocampern durch gemächliches Vorbeischlendern und Blick aufs Nummernschild erledigen.

Schwieriger ist es bei den Backpackern und Radfahrern. Früher ließen sich vielleicht noch einige Ausrüstungsmarken bestimmten Nationalitäten zuordnen. Doch Ortliebtaschen sind längst nicht mehr unfehlbares Erkennungszeichen für deutsche Radwanderer – genau wie sich auch Fjellräven weit über Skandinavien’s Grenzen hinaus verbreitet hat und The North Face den Sprung über den Atlantik schaffte. Allein die allgegenwärtige Wolfstatze weist momentan ziemlich stark in Richtung Allemagne. Doch das ist sicher auch nur eine Mode...

Richtig interessant wird es dann am Waschhaus. Welche Sprache wähle ich? Grüße ich a) in meiner eigenen Sprache, b) in der Landessprache (sofern ich im Ausland bin), c) in der Sprache des anderen, sofern ich diese durchs heitere Nationalitätenraten schon erkannt habe und ich in ihr „Guten Morgen“ sagen kann, oder d) in neutralem Allerweltsenglisch? Meine Lieblingsalternative ist oft einfach auch ein breites „Moin!“ – das passt irgendwie immer.

Umgekehrt haben es die anderen bei einem gemischtsprachigen Paar wie uns auch nicht leicht... So wie die deutschen Camper, die neben uns parkten und uns wohl Englisch sprechen hörten. Als ich sie schlaftrunken am nächsten Morgen mit einem „Morgen!“ begrüßte, antworteten sie geflissentlich mit „morning!“. Wir waren einfach drin der Englisch-Schublade, und dabei blieb es.


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