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Kategorien/Categories:    ›DE‹  ›Lifestyle‹  ›Transatlantic‹   –  17.09.2010

Ellbogenfreiheit vs. Sardinenbüchse


Der Kulturclash zwischen den USA und Deutschland könnte kaum größer sein als beim Camping. Die beliebte Freiluftbeschäftigung ist ein Spiegel der zentralen Unterschiede dieser beiden Länder und ihrer Lebensstile.

Ein typischer Campingplatz irgendwo in Mitteleuropa während der Hochsaison: Zelte und Caravans sind dicht an dicht gepackt, mitten auf der grünen Wiese. Das hat gewisse Vorteile, etwa wenn man gerade auf der Suche nach einer neuen zusammenfaltbaren (oder mobilen) Bleibe ist. Wo sonst kann man so viele verschiedene Modelle samt Outddoorzubehör auf einem Haufen begutachten? Die dichte Besiedlung ist auch für diejenigen ideal, die gerne vor ihrem Zelt oder Wohnmobil hocken, um sich von dem geschäftigen Campinplatztreiben unterhalten zu lassen.

Die Kehrseite: man muss ziemlich lärmunempfindlich sein, denn ob man will oder nicht, man bekommt beim Zelten praktisch alles mit was um einen herum los ist. Egal ob laute Skatrunden bis spät in die Nacht oder frühmorgendliches Babygeschrei, ob Ehekrach oder Erziehungskrise - gnadenlos nimmt  man unmittelbar am Leben seiner Zeltnachbarn teil. Denn die dünne Zeltwand offenbart alles: jedes auf- und zuzippen des Reißverschlusses, jedes Telefongespräch und jedes nervige Radioprogramm. Das Leben auf dem Campingplatz ist ein Leben auf dem Präsentierteller, beinahe eine öffentliche Angelegenheit.

Wie anders der Campingalltag auf der anderen Seite des Teiches, vor allem in den State und National Parks. Hier erhält jeder Camper einen eigenen fest abgegrenzten Platz zugewiesen, der von vornherein für eine gewisse Ellbogenfreiheit sorgt. Jeder Platz ist ausgerüstet mit eigenem Picknicktisch, Wasseranschluss  und Feuerstelle. Je nach Lage sind die einzelnen Plätze – oft groß genug für mehrere Zelte – durch Gebüsch und Bäume voneinander abgetrennt oder gar großzügig in der Landschaft verteilt. Außerst selten bekommt man hier die Gespräche der Nachbarn mit... einzig störende Lärmquelle  in den warmen Klimaten ist das stetige Brummen der Klimaanlage der großen Wohnmobile, sollte man das Pech haben direkt nebenan zu wohnen.

In den Naturparks Nordamerikas bedeutet Camping vor allem Ruhe und Abgeschiedenheit, Lagerfeuerromantik inklusive.  Man hat das Privileg, sein Zelt inmitten der Sahnestücke von Mutter Natur aufzuschlagen, umgeben von spektakulärer Aussicht und weit, weit weg von der Hektik des Alltags. Und genau so mag ich es. Den Brötchenservice – so schön er auch sein kann – habe ich dort jedenfalls noch nie vermisst. Dann wiederum kommt man dort schlecht mit dem Rad hin...


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