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Kategorien/Categories:    ›Transatlantic‹  ›Lifestyle‹  ›DE‹   –  26.10.2010

Heimvorteil


Eine große Landwirtschaftsmesse in Maine, USA bot kürzlich einen ermäßigten Eintritt von zwei Dollar für alle Besucher, die mit dem Fahrrad kommen. Das sollte man sich mal in Deutschland vorstellen! Nichts desto trotz blieb der große Fahrradparkbereich am Eingang recht leer – selbst das kostenlose „valet parking“ hat offenbar nicht viele Pedalritter hinter dem Ofen hervor gelockt.

Bei einem Besuch in New England während schönsten Jahreszeit (mehr dazu siehe hier unter "Im Rausch der Farben") stand der Besuch der „Common Ground Country Fair“ in Unity, Maine auf dem Programm. Dieses alljährlich stattfindende Spektakel ist eine Mischung aus traditioneller Landwirtschaftsmesse, Kunsthandwerksschau sowie Dreh- und  Angelpunkt für alles rund um dem alternativen Lebensbereich. Ausgerichtet wird sie von der Maine Organic Farmers and Gardeners Association, hier gibt sich also die ökologische Crème de la Crème des Nordostens ein Stelldichein.

Im Land der langen Wege und der Autokultur schlechthin habe ich mich im Vorfeld darüber amüsiert, wie man sich bemühte, Besucher auch mit alternativen Verkehrsmitteln anzulocken. Eigens für das Veranstaltungswochenende wurde etwa auf der ansonsten stillgelegten Bahnstrecke ein kleiner Personenzug eingesetzt. Damit wurde den Besuchern nicht nur ein kleines Ausflugserlebnis geboten, sondern man sparte sich den obligatorischen Stau bei An- und Abfahrt, sowie die Parkgebühren (das Parken am Bahnhof war hingegen umsonst). Wie viele Besucher von diesem Angebot Gebrauch machten, weiß ich nicht, aber das herrliche Tuten der Bahn bei ihrer halbstündlichen Ankunft am Messegelände habe ich sehr genossen.

Obama on recumbent bikeAuch die Radler wurden umworben – und die sogar mit einem satten ökonomischen Incentive, wie es auf Neudeutsch so schön heißt. Zwei Dollar Ermäßigung, wer mit dem Rad am Eingang auftaucht, egal ob man die ganze Strecke mit Pedalkraft zurückgelegt oder nur eines der vielen Park & Ride Angebote im Umland genutzt hat. Dazu sparte man natürlich ebenfalls die 5$ Parkgebühr. Nicht nur dies, sondern die Radler erhielten sogar ein charmantes kostenloses „valet parking“ Angebot – ein Service, den die meisten nur aus dem Film kennen, betrifft er doch in der Regel teure Autos und exklusive Hotels oder Restaurants. Dennoch blieben rund dreiviertel der großzügig angelegten Fahrradparkplätze leer. Was entweder mit dem äußerst ungemütlichen Wetter an dem Tag zusammenhing oder eher damit, das das Gelände eben – wie so üblich im ländlichen USA – weitab vom Schuss lag.

Immerhin: man hat sich bemüht, auch wenn die CO2-Einsparungen wahrscheinlich im kaum messbaren Bereich lagen. Man stelle sich vor, wie das Leben aussehen könnte, wenn man für jede Anfahrt mit dem Rad einen Rabatt erhielte. Goodbye carrotmob, hello bikingincentive.org: komm mit dem Rad statt Auto zum Einkaufen und du erhältst einen Rabatt! (Nein, die Webseite gibt es nicht, aber es wäre doch eine gute Geschäftsidee, oder?).


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