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Kategorien/Categories:    ›DE‹  ›Sprachkultur/Language culture‹  ›Anglizismen‹   –  09.01.2011

Fahrvergnügen und andere Lautmalereien


Haben Sie auch ein Block? Benutzt Ihre Kaffeemaschine Petz? Denglisch hat wieder zugeschlagen, allerdings auf ganz unerwartete Weise.

Als ich Ende der 80er Jahre in die USA kam, lief dort gerade eine populäre Reklame von VW im Fernsehen. Darin kam das für Amerikaner unaussprechbare Wort „Fahrvergnügen“ vor (Amis lieben Umlaute, offenbar weil sie keine haben). Noch ehe ich jedoch mit besagter TV-Werbung Bekanntschaft gemacht hatte, wurde ich des öfteren gefragt, was dieses Wort eigentlich genau bedeute. Allerdings sprachen die Amis dabei „Fahrvergnügen“ so komisch aus, dass ich es absolut nicht verstehen konnte. Ich glaubte nicht einmal, es tatsächlich mit einem deutschen Wort zu tun zu haben. In der Tat war es wohl meine erste Begegnung mit Denglisch.

Mittlerweile passiert mir dieses „nicht erkennen“ auch umkehrt. Anlass genug gibt es ja, haben sich doch bekanntlich viele englische Worte in die deutsche Sprache eingenistet. Doch oftmals sind sie im mündlichen Gebrauch gar nicht als solche zu erkennen, vor allem wenn die Sprecher nicht so geschult in der Aussprache sind und das Wort zudem in einem völlig deutschen Satzkontext eingebettet ist.

So hat mir eine Kollegin neulich vergeblich versucht zu erklären, das sie kürzlich wieder geblockt hätte. Geblockt? Naja, auf ihrem Block eben. Online. Achsooooo, ihr  Blog! Oder dann war da die Geschichte mit der Kaffeemaschine, die mit Petz arbeitet. Erst nach dem zweiten Anlauf klickerte es dann: gemeint waren KaffeePADS. Sagt das doch gleich.

Diese Bemerkungen dürfen bitte nicht mit Überheblichkeit verwechselt werden. Natürlich ist nicht jeder zu einer ungefärbten Aussprache fremder Sprachen fähig. Bei allem anderen als Englisch hört man mir die deutsche Muttersprache sicher auch gnadenlos an. Es geht hierbei vielmehr um die Erwartung des Hörens. Wenn ich von einem „blog“ rede (mit weichem bl und langem o und weichem g) dann klingt es eben ganz anders als ein „Block“ (hartes bl, kurzes o, scharfes g). Und folglich erkenne ich es einem komplett deutschen Kontext erstmal nicht als englisches Wort. Mein Gehirn sagt  „klingt wie Block“ – schließlich reden wir ja gerade Deutsch. Damit ist anfängliches Unverständnis vorprogrammiert.

Doch das muss nicht so bleiben, denn irgendwann ist ein Fremdwort kein Fremdwort mehr. Worte aus anderen Sprachen wurden schon immer absorbiert und durchlaufen dabei ihre eigene Evolution. Irgendwann klingt es dann eben ganz anders als das Original und wird zu einem „normalen“ Wort in der neuen Sprache. Dann wird Denglisch zu Deutsch und selbst inflexible Hörer wie ich kapieren endlich, wovon die anderen reden. Und zwar auf Anhieb!


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