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Kategorien/Categories:    ›Lifestyle‹  ›DE‹   –  23.05.2011

Lauter statt leiser?


„Oh, ich habe Sie gar nicht kommen hören!“ Über Risiken und Nebenwirkungen einer veränderten Mobilitätslandschaft.

Geht Ihnen das auch so?  Sie radeln auf eine unübersichtliche Kreuzung zu, verlangsamen das Tempo und fahren beherzt über die Kreuzung – auch wenn Sie im Grunde nicht wirklich genau sehen konnten, ob und was da kommt.

Lebensmüde? Nein, wir haben uns nur -  wie so oft -  auf unser Gehör verlassen. Da wir als Fußgänger und Radfahrer unmittelbaren Kontakt zu unserer Umwelt haben, spielt der Hörsinn eine wesentliche Rolle beim täglichen Navigieren durch den Straßenverkehr. So hören wir nicht nur die Sirene von Notarztwagen und Feuerwehr, sondern lauschen auch auf das Motorengeräusch, dass ankündigt, ob sich ein Auto nähert. Gerade in Situationen, wo wir einen nicht so guten Überblick haben (z.B. bei zugeparkten Kreuzungen), ist diese gehörte Information ein wichtiger Entscheidungsfaktor dafür, ob wir weiterfahren oder doch lieber anhalten sollten.

E-mobil logoDie aktuelle Ausgabe von „fairkehr“, dem VCD-Magazin, ist ganz der kommenden Elektromobilität gewidmet. Und so sehr man sich auch auf die abgaslose, leise und hoffentlich kompakte neue Generation von Autos freuen dürfte,  ein Aspekt gibt mir zu denken: Wir werden sie nicht mehr kommen hören! Was im Klartext für Radfahrer und Fußgänger bedeutet: wir werden uns ganz schön umstellen müssen. Dann können sich die Autos auf einmal genauso leise und klammheimlich nähern wie die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer. Unter solch veränderten Umständen müssen wir unsere eingefleischten Verhaltensregeln für den Verkehr völlig  neu lernen, scheint mir.

Doch vielleicht wird es auch ganz anders kommen. Denn es gibt eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern, die noch viel stärker von ihrem Hörsinn abhängig sind, als jeder noch so risikobereite Radfahrer. Der deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fordert, dass E-Autos künftig mit einem Geräusch versehen werden, damit sie weiterhin für Menschen, die nicht sehen können, erkennbar sind. Es gibt sogar extra eine UN-Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt und (bislang unverbindliche) Empfehlungen für die Autohersteller ausspricht.

Werden wir also künftig  vom Gedröhne der Verbrennungsmotoren erlöst, nur um das fehlende Motorengeräusch durch einen anderen künstlichen Klangteppich zu ersetzen? Eine interessante Frage, die sicherlich noch einige erhitzte Debatten nach sich ziehen wird.


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