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Kategorien/Categories:    ›Kultur/Culture‹  ›DE‹   –  07.09.2011

Ein echter Loriot-Moment


Er gab uns die Steinlaus, das Jodel-Diplom und Opa Hoppenstedt. Von ihm erfuhren wir, wie viele Schattierungen die Farbe grau hat, dass man ein Frühstücksei am besten „nach Gefühl“ kocht und dass Probeliegen beim Matratzenkauf eine äußerst ernste Angelegenheit ist. Ein persönlicher Nachruf auf einen der ganz Großen.

Loriot auf dem SofaEchte (sprich: wirklich gute) Komik erkennt man daran, dass sie wie aus dem Leben gegriffen ist: sie führt uns Momente vor Augen, die wir nur allzu gut kennen – oder auch fürchten. Momente der Schwäche und Blöße, erwachsen aus skurrilen Situationen. Peinlich, wenn sie einem selbst passieren – zum schießen komisch, wenn es jemand anderen erwischt.

Immer wenn mir einer dieser Momente im richtigen Leben über den Weg läuft, muss ich automatisch innehalten und denken: „Das war jetzt aber wieder ein echter Loriot-Moment!“ Als ob das Leben bei ihm abgeguckt hätte. Dabei war es ja eigentlich andersrum.

Erwin Lindemanns Lottogewinn ist Loriot-Fans ebenso unvergesslich, wie der vergebliche Versuch eine Bananenschale diskret (!) auf dem Flughafen loszuwerden oder ein Bild gerade zu rücken, samt ihrer katastrophalen Nachwirkungen. Gerade die letzten beiden Episoden zeugen davon, dass Loriot ein Meister der Slapstick-Komik war. Die Mimik und Körpersprache dieses schlaksigen, großen Mannes war so unendlich ausdrucksvoll, dass es Worte eigentlich kaum bedurfte. Jedoch, so richtig brillant war Loriot vor allem wenn es ums Intellektuelle ging. Seine Monologe – nicht nur auf dem berühmten Sofa - sind legendär, seine Dialoge reine Wortgefechte, treffsicher und voller Kreativität. Wo nahm der Mann bloß diese Ideen her?

Loriots Universum ist bevölkert mit skurrilen Charakteren, wobei er gerne die stilleren Seiten des Lebens ins Licht rückte. Vom spießigen Kleinbürger über Rentner, Hausfrauen und Verkäufer bis hin zum Akademiker - sie alle wurden in den banalsten Situationen vorgeführt und sorgten für endlose Erheiterung. Ganz zu schweigen von zahlreichen Bonmots, die mit Sicherheit in die deutsche Sprachgeschichte eingehen werden. Ach was.

Auch wenn wir ihn vermissen werden, sein Werk ist längst unsterblich und wird damit noch für viele weitere Loriot-Momente im Leben sorgen – both on and off the screen.

Renate, sag‘ jetzt bitte nichts.

Traueranzeige Loriot


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