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Kategorien/Categories:    ›Lifestyle‹  ›Kultur/Culture‹  ›DE‹   –  17.12.2011

Incommunicado


Was tun, wenn wir die Welt um uns herum nicht mehr so wahrnehmen wie bisher? Dank des ständigen Eingestöpselt-seins vieler Mitmenschen entpuppt sich die Kommunikation untereinander als eine zunehmende Herausforderung.

Ein Radler strampelt vor mir her auf der geteilten Rad/Fußgängerspur und nimmt sie ziemlich mittig ein. Ich klingele, um auf mich aufmerksam zu machen und mein Überholmanöver anzukündigen. Keine Reaktion. Versuche es dann mit einem lauten „Achtung, ich komm‘ von links!“ – und sehe beim Überholen in das verdutzte Gesicht des Radlers, der dank seiner Ohrstöpsel komplett von seiner Umwelt abgeschieden ist. Kein Wunder, dass der mich nicht hört. Diesmal ist es gerade noch gut gegangen. Der gute Huxley hat es schon lang gewusst: ignorance is bliss.

Telefonieren vor dem HandyDieses akustische Abgeschottet-sein ist eine zunehmende Herausforderung in der Welt der Fußgänger und Radfahrer, die wir schließlich in der täglichen Fortbewegung vom Hören unserer Umwelt abhängen. Kommt da ein Auto? Will jemand vorbei?  Ich selbst kann es mir jedenfalls absolut nicht vorstellen, ohne meinen vollkommen zur Verfügung stehenden Hörsinn durch den Straßenverkehr zu manövrieren (siehe Blogeintrag Lauter statt leiser). Zunehmend muss ich jedoch einsehen, dass andere es nicht so sehen und somit einfach nicht ansprechbar sind.

Durchs Telefon abgelenkte Mitbürger kann man zum Glück meistens  an ihrer typischen Armhaltung erkennen und somit einschätzen. Es sei denn, sie sind mit Bluethooth Geräten unterwegs, dann sind die scheinbar geführten Selbstgespräche der einzige Hinweis. Doch die hört man erst, wenn man bereits zum Überholen angesetzt hat und bangt, dass Radler oder Fußgänger nicht einen plötzlichen, überraschten Schwenk in die falsche Richtung machen... Vielleicht wird es Zeit, dass wir Radler uns lautere Hupen anschaffen?

Bild: Diese Szene ist erst 7 Jahre alt. Tja, liebe Kinder, so hat man damals telefoniert, von öffentlichen Telefonzellen aus. Meistens jedoch im Stehen.


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