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Kategorien/Categories:    ›Sprachkultur/Language culture‹  ›Kultur/Culture‹   –  29.01.2012

Genossen der Gelassenheit


Gestern Abend in einem Vortrag über „Achtsames Wirtschaften“ wurde das Publikum mehrmals angehalten, sich mit Hilfe von ALI zu zentrieren: Atmen – Lächeln – Innehalten. Das erinnerte mich prompt an ein Kindheitserlebnis, das die Wirren unseres Sprachverständnisses erleuchtet.

BuddhaDer Spruch hing über lange Jahre hinweg in unserem Haus, ich kannte ihn als Kind sehr gut: „Wer lächelt, statt zu toben, ist immer der Stärkere“. Chinesisches Sprichwort, stand darunter. Nur, mein Kinderhirn interpretierte natürlich „toben“ immer mit „herumtoben“ – und konnte sich schwer einen Reim auf diese abstruse fernöstliche Handlungsanweisung machen.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann dann rückwirkend der berühmte Groschen fiel. Nur, dass sich aus irgendeinem Grund dieser Spruch fest in mein Gedächtnis gegraben hat. Gerne würde ich auch sagen können: er hat mein späteres Handeln maßgeblich beeinflusst. Doch das wäre eine Übertreibung. Zwar würde ich mich nicht als tobsüchtig bezeichnen, doch mit der inneren Gelassenheit ist es nicht so weit gediehen, wie ich es mir manchmal wünschen würde.

Um mit einem Sprichwort zu kontern: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Besonders in den letzten Jahren wurde ich für das Thema Gelassenheit zunehmend empfänglicher. Und so war ich gestern Abend hocherfreut, bei einem öffentlichen Vortrag mehrmals zum Innehalten aufgefordert zu werden. Und dann noch mit so einer schönen, griffigen Formel: ALI - Atmen – Lächeln – Innehalten. Drei Atemzüge für eine kleine Denk- und Verschnaufpause mitten in unserem (oftmals von Hektik geprägten) Leben.

Genau das war es ja, was die alten Chinesen meinten mit dem Lächeln und dem Toben. Wer weiß, vielleicht wäre diese einfache „Zauberformel“ schon als Kind verständlicher gewesen, als der - aus Kinderperspektive - so abstrakte Spruch? Dann wiederum sind gerade unsere Sprichwörter ein Spiegel unserer kulturellen Denkweisen, die bekanntlich zwischen der westlichen und östlichen Welt recht fundamentale Unterschiede aufweisen.

Was nicht heißt, das wir uns nicht bei den Chinesen Anregungen in Sachen Gelassenheit holen können. Bis dahin werde ich weiterhin mit Ali gemeinsame Sache machen.

Mehr über das Thema Achtsames Wirtschaften gibt es hier.


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