Transatlantic tidbits on language & life

Dragonfly Productions ...words & more - Übersetzungen, Texte & Recherche, Redaktion, Lektorat, Korrektorat Translations, freelance writing, editing, proofreading


Kategorien/Categories:    ›Lifestyle‹  ›DE‹   –  31.03.2012

Plastiklandschaft


Jedes Frühjahr verwandelt sich die Rheinebene im Breisgau in ein Meer aus Plastik. Die schwarzen oder weißen Folien sollen dem Spargel ordentlich einheizen, um eine möglichst frühe Ernte zu garantieren. Doch um welchen Preis?

Spargelfeld mit PlastikfolieSpargel ist eines der deutschen Lieblingsgemüse: durchschnittlich zwei Kilo verspeist jeder Bundesbürger pro Saison von den edlen, bleichen Stangen. Auf rund 20.000 Hektar wird bundesweit Spargel angebaut, in Baden-Württemberg sind es etwa 1.700 Hektar. Was einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das hiesige Landschaftsbild hat.

Blickt man vom Rande des Schwarzwalds an einem sonnigen Tag auf die Rheinebene, bietet sich ein wahrhaft gleißender Anblick: überall schimmern einem große, gradlinige Flächen entgegen. Was aussieht wie riesige Gewächshausanlagen sind Spargelfelder, bei denen Reihe um Reihe mit Plastikfolie abgedeckt ist. Sie sollen die Sonnenwärme einfangen und den Spargel so zum Wachstum antreiben. Dieses Jahr, gesegnet mit einem milden,sonnigen Frühling, geht es offenbar besonders früh los: heute entdeckte ich den ersten Spargelverkaufsstand am Straßenrand. Noch Ende März!

Der Wettlauf um immer frühere Spargelernten – wer als erstes seine zarten weißen Stangen auf dem Markt bringt kann Preise von über 20 Euro das Kilo erzielen –  nimmt durchaus bizarre Formen an. So gibt es offenbar beheizte Spargelfelder, bei denen mit einem im Boden verlegten Rohrleitungssystem dem Spargel quasi wie mit einer Fußbodenheizung ordentlich eingeheizt wird. „Energiepolitischen Unsinn“ nennt der BUND diese Form von Spargelproduktion. Was kann man dazu noch sagen?

Und wenngleich die Plastikfolien-Methode nur eine passive Nutzung der vorhandenden Solarenergie ist, so muss man sich doch beim Anblick dieser Plastiklandschaft fragen, wozu das alles? Wir ertragen ein entstelltes, verfremdetes Landschaftsbild, nur damit wir unser „königliches Gemüse“ ein klein wenig früher genießen können?! (Ganz zu Schweigen von all dem Plastikmüll, der beim Auf- und Zuschieben der Folie beim Stechen immer in mikroskopische kleinen Dosen in die Umwelt gelangt, sowie dessen Herstellung und Entsorgung).

Da lob ich mir den grünen Spargel, der ganz einfach seinen Kopf aus dem Boden steckt, wenn er soweit ist. Und den man nicht mal schälen muss. Da spart sogar der Koch noch Energie!


Tags: