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Kategorien/Categories:    ›DE‹  ›Sprachkultur/Language culture‹   –  20.08.2012

Habla español?


Spanisch gewinnt zunehmend an Bedeutung in den USA: jeder sechste Einwohner ist mittlerweile lateinamerikanischer Herkunft. Kein Wunder, dass der spanischsprachige TV-Sender Univision zu den meistgenutzten im Lande gehört. Nun bahnt sich dort eine kleine Revolution an: Univision plant demnächst Sendungen in englischer Sprache auszustrahlen.

Dreiviertel aller US-Bürger lateinamerikanischer Herkunft nutzt den spanischsprachigen Sender Univision. Hier informieren sie sich über aktuelle Ereignisse oder klinken sich beim Konsumieren der populären „Telenovelas“ aus dem Alltag aus. Doch den spanischsprechenden Immigranten geht es nicht anders als allen anderen Einwanderern vor ihnen: während die erste Generation noch überwiegend auf Spanisch spricht, denkt und fernsieht, nimmt Englisch bei der zweiten Generation deutlich zu bis es in der dritten Generation im täglichen Sprachgebrauch überwiegt - während gleichzeitig die Spanischkenntnisse in den Hintergrund treten.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass lateinamerikanische Einwanderer der dritten Generation ihre Nachrichten bevorzugt  auf Englisch ansehen. Die Sache hat allerdings einen Haken: die Berichterstatttung der traditionellen US-Sender hat deutliche Mankos im Bereich genau der Themen, die für die spanischsprechende Bevölkerung besonders relevant sind, wie etwa Wahlrecht oder Einwanderungsgesetze. So zeigte kürzlich eine Studie, dass diejenigen Bürger lateinamerikanischer Herkunft, die regelmäßig Nachrichten bei Univision anschauen, deutlich besser über diese Themen informiert sind als jene, die nur die US-Sender nutzen.

Nun hat Univision daraus seine Schlüsse gezogen und plant das einst Undenkbare: einen neuen, eigenen Sender ganz auf Englisch (englische Untertitel gab es bereits). Er soll speziell diejenigen Immigranten ansprechen, die sich mehr in der englischen Sprache zuhause fühlen, aber dennoch ihre lateinamerikanischen Wurzeln weiterhin pflegen, sowohl kulturell also auch informativ.

Wenngleich Englisch für 69 % der heutigen Latino-Generation die dominante Sprache ist, sehen sich  immerhin 29 % als komplett zweisprachig - ein ziemlich hoher Prozentsatz, verglichen mit den Statistiken anderer ethnischer Einwanderungsgruppen vor ihnen. Spanisch ist also bei weitem nicht auf dem absterbenden Ast – im Gegenteil. So täte der Rest der US-Bevölkerung wahrscheinlich gut daran, sich rechtzeitig (bei Television...) um das Erlernen dieser wichtigen Sprache zu kümmern. Denn: für 2050 sieht die Prognose vor, dass 30 % aller Amerikaner lateinamerikanischer Herkunft sind. Una cerveza, por favor!


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