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Kategorien/Categories:    ›Sprachkultur/Language culture‹  ›DE‹   –  30.09.2012

Vom Aussterben bedroht


Nein, es geht hier nicht um Eisbären, Wale oder irgendeine obskure Vogelart. Sondern um Worte. „Retten Sie ein Wort, das vom Aussterben bedroht ist!“ stand auf einer Postkarte, die ich heute erhielt. Die rund ein Dutzend Wortvorschläge bereiteten mir viel Pläsier und kamen justament zur rechten Zeit.

Hei, was waren da für herrliche Kandidaten darunter – welch ein leutseliger Labsal [aufrichtiger Genuss]! Wer möchte da nicht gerne Ranküne [Rachsucht] hegen, einfach weil das Wort so schön ist? Solche alten Worte verleihen einem Satz doch gleich vielmehr Gravitas [Würde] anstatt der wohlfeilen [billigen] Allerweltsausdrücke die heute üblich sind.

Einige der Ausdrücke sind alte Bekannte, vertraut aus anderen Sprachen: flattieren für schmeicheln etwa (to flatter) oder justament für gerade. Und das Pläsier ist uns natürlich aus zahlreichen französischen Chansons geläufig. Andere kenne ich noch gut aus der Grimm’schen Märchenwelt, so wie wacker für tapfer (die Helden) oder saumselig für unpünktlich (die Mägde, Schwestern oder jüngsten Brüder). Aber habe ich sie wohl je benutzt?

Manche auf der Liste kommen mir gar nicht veraltet vor. Ein Krösus ist doch sicher auch heute noch ein Krösus, oder hat Bill Gates mittlerweile den letzten König von Lydien mit seinem sagenhaften Reichtum vom Platz verschlagen?

Die neckische Postkartenaktion hat jedenfalls bei mir ihren Behuf [Zweck] erfüllt: ich ziehe mich in meine stille Kemenate [Kämmerchen] zurück, mach es mir dort kommod [bequem] und denke darüber nach, wie man weiland [vormals] so gesprochen haben mag. Gehabt euch wohl!


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