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Kategorien/Categories:    ›Sprachkultur/Language culture‹  ›DE‹   –  18.03.2010

Crime-Serien und andere sprachliche Verbrechen


Gestern an der Bushaltestelle fiel mir ein Werbeplakat ins Auge, die Ankündigung einer neuen TV-Serie in irgendeinem Kabelsender. „Lie to me“ stand da, und darunter: Die neue Crime-Serie. Crime-Serie? Was ist denn aus den guten alten Krimis geworden?

Schon vor Jahren hat sich Bastian Sick in seiner Zwiebelfisch-Kolumne gebührend und mit Humor über die schleichende – und manchmal schlichtweg plumpe! – Anglikanisierung der deutschen Sprache ausgelassen. Den Anfang machte wohl einst die Computersprache, deren englischlastige Terminologie bald ein fester Bestandteil unseres Alltagsvokabulars wurde. Heute mailen und googeln wir ungeniert, downloaden uns Daten aus dem Internet oder sind eifrig am bloggen und chatten.

Jedoch, in diesen Fällen wurde kein alteingesessenes deutsches Wort durch den englischen Import verstoßen, denn die Begriffe sind weitgehend neu in unseren Sprachgebrauch importiert worden. Warum müssen wir aber neuerdings zu Meetings gehen, ein Event planen oder eben Crime-Serien im Fernsehen gucken?

Natürlich hat es schon immer sprachliche Einflüsse von außen gegeben. Die Franzosen bescherten uns vor Jahrhunderten eine Vielzahl von Begriffen, über die man heute kaum noch nachdenkt. Wir zücken unser Portemonnaie, essen mit Appetit unsere Frühstückskonfitüre und freuen uns über einen schönen Teint. Sprache unterliegt in dieser Beziehung denselben Trends wie jede andere Mode auch. Vielleicht empfinden wir den heutigen Vormarsch der Anglizismen auch nur deshalb so stark, weil wir Zeitzeugen sind?

Anders liegt der Fall meines Erachtens dort, wo wir aus diversen Gründen (ist es Bequemlichkeit? Faulheit? Fantasielosigkeit?) einfach ein durchaus brauchbares deutsches Wort durch ein englisches ersetzen. Da wird für so manchen eine Grenze überschritten und gerne graben sie dann – ein wenig provokant –  das Kriegsbeil aus. Warum verhunzen wir eine schöne und sehr lebendige Sprache und ersetzen ihr reiches Vokabular einfach mit fremden Worten?

Das dürfen eigentlich nur geborene Kauderwelscher! In meiner zweisprachig-durchwachsenen Kindheit war es zum Beispiel nicht ungewöhnlich, dass meine Mutter mich um folgendes bat: „Geh doch mal in den Keller und hol den juice aus dem freezer!“ Meine Familie sprach schon ein von Anglizismen gespicktes Deutsch als der erste Mensch noch nicht den Mond betreten hatte. Nicht aus Mode, sondern weil es praktisch war. Und so halte ich es oft noch heute. Nur, dass es auf einmal nichts Besonderes mehr ist, sondern plötzlich alle Welt um mich herum dasselbe tut. How boring.


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