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Kategorien/Categories:    ›Kultur/Culture‹  ›DE‹   –  10.07.2013

Rasen versus Rosen: Gartenkultur hüben und drüben


Einer der eklatantesten Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Häusern ist die Gartenkultur. Diese ist in den USA weitgehend abwesend oder besteht vielmehr aus einer einzigen Monokultur: dem allseits präsenten Rasen.

Rasen vor dem Weissen HausTourt man im Sommer durch das ländliche USA oder die Vororte der Städte, ist es kaum zu übersehen: die Gärten sehen hier einfach anders aus. Statt der bunt blühenden Rabatten, die in Deutschland selbst in den kleinsten Vorgärten gehegt und gepflegt werden, breitet sich hierzulande ein endloser, grüner Teppich aus: Rasen satt.

Hier und da gibt es mal ein paar blühende Büsche vorm Haus oder eine kleine Ansammlung hartgesottener Stauden, wie etwa die gute alte Taglilie. Aber im Großen und Ganzen scheinen die Amerikaner ein Obsession mit ihrem Rasen zu haben. Wer denkt da nicht sofort an das typische Bild vom amerikanischen Suburbia, dem klassischen Vorort mit den stets kurz gemähten Rasenflächen vor endlos gleichen Häuserfronten...

Rasen vor EinfamilienhausEtwa 80% aller amerikanischen Haushalte haben einen eigenen Rasen, einer NASA-Studie zufolge bedeckt das begehrte Grün rund 120 000 km2 - das entspricht immerhin knapp einem Drittel der Fläche Deutschlands (oder hier in den USA, der Fläche des Staates Virginia). Damit ist Rasen flächenmäßig die Nummer Eins unter den bewässerten landwirtschaftlichen „Anbauprodukten“.

Entsprechend ist der Rasen ein kräftiger Wirtschaftsfaktor: rund 30 Milliarden Dollar fließen jährlich in dessen Pflege - vom professionellen Pflegeservice bis zu Düngern, Pestiziden und natürlich dem enormen Aufwand an Benzin zum Mähen und Trimmen, um all das viele Gras unter Kontrolle zu halten. Laut der US Environmental Protection Agency mähen jedes Wochenende rund 54 Millionen Amerikaner ihren Rasen und verbrauchen dabei über 3000 Mio. Liter Benzin pro Jahr. Von den Abgasen, mit denen die vielen Zweitakter dabei zu Luftverschmutzung und Klimaerwärmung beitragen, wollen wie lieber gar nicht erst reden.

Wie kam es dazu, dass die Amerikaner so wild auf den Rasen sind und die Gartenkultur ihrer Vorfahren (immerhin zählen die zahlreichen englischen Gärten doch zu den besten Europas!) in den Wind schmissen? Der Beginn des Rasens-Empires wird im allgemeinen auf die Nachkriegszeit gelegt, als die heimgekehrten Soldaten in Scharen mit ihren Familien in die Vororte zogen. Das Einfamilienhaus, auf allen Seiten von perfektem Rasen umgeben, galt als das ultimative Statussymbol und zählt noch heute als Maßstab für den Erfolg.

bunter StaudengartenNur sehr, sehr langsam dringen Argumente in Sachen Umweltschutz, Grundwasserknappheit oder Artenvielfalt  zu den Hausbesitzern durch. Viele Gemeinden versuchen anhand von Gesetzen Einfluss auf die Rasenkultur zu nehmen (von der Regulierung der Bewässerung bis zu Komplettverboten) und damit ist der Rasen heute mehr denn je auch ein politisches Thema geworden. Wie wohl die amerikanische Gartenlandschaft in 20 Jahren aussehen mag?

 

Rasen in Amerika: Zahlen & Fakten
  • Bis zu 60% des Wasserverbrauchs privater Haushalte wird für die Rasenbewässerung verbraucht.

  • Rund 64 Mio. Liter Benzin gehen jährlich beim Betanken von Rasenpflegemaschinen daneben und versickern im Erdboden – das ist mehr als die gesamte Ladung der Exxon Valdez, die 1989 vor Alaska auf Grund lief.

  • Etwa 35 300 t an aktiven Pestizid-Inhaltsstoffen an werden pro Jahr eingesetzt, um Rasenflächen unkrautfrei zu halten.

  • 5% der gesamten Luftverschmutzung in den USA ist auf den Einsatz von Rasenpflegemaschinen zurückzuführen.


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