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Kategorien/Categories:    ›DE‹  ›Transatlantic‹   –  03.12.2013

Falsch verbunden


Die oberirdisch verlaufenden Stromleitungen in den USA rufen bei Europäern meist ein erstauntes Kopfschütteln hervor. Sie sind extrem anfällig, nicht sehr ansehnlich und haben zudem manch wundersame Baumschnittkultur zur Folge.  Ein Blick auf die Kabelei, hüben und drüben.

Stromkabel im amerikanischen StadtbildJeder kennt das: nach einem schweren Sturm bringen Eis, Schneelast oder einfach nur umgekippte Bäume vielen amerikanischen Haushalten das Aus in Sachen Stromversorgung. Je nach Region ist es hierzulande nicht ungewöhnlich, mehrere Stunden ohne Strom dazusitzen. Nach besonders katastrophalen Stürmen, wie etwa einem Hurrikan oder Blizzard (Schnee/Eissturm), können für die betroffenen Stromkunden auch tagelang die Lichter ausbleiben. Während manche nur um den Inhalt der Kühltruhe bangen müssen, heißt es für andere dass die Heizung komplett ausfällt oder kein Wasser mehr zur Verfügung steht - bei winterlichen Minustemperaturen kann ein Haus damit schnell unbewohnbar werden.

Warum, so wundert sich der unterirdisch-Verkabelungsgewohnte Europäer, gibt sich ein Land mit so hohem Naturkatastrophenpotenzial nur so eine Schwäche? Die Antwort darauf ist zu komplex für diesen kurzen Blogbeitrag. Es hat mit der Weite und Zersiedelung dieses Landes zu tun, mit den Kosten (der Preis für Holz war hier stets lächerlich niedrig) und mit der tief sitzenden Abneigung der Amerikaner, von zentralen Regierungen bestimmt zu sein.

Baumbeschnitt Stromkabel 1Neben der hohen Anfälligkeit dieses überirdischen Leitungssystems schlägt auch ein hoher Wartungsaufwand zu Buche. So müssen die Kabel regelmäßig vom Bewuchs freigeschnitten werden, was oftmals zu skurrilen Baumskulpturen führt (aus Sicht eines Baumliebhabers könnte man eher von Verstümmelung reden).

Der Kabelsalat entlang der Straßen und in den Städten ist praktisch synonym mit Amerika – wenngleich auch hässlich, so wird er von den meisten einfach als Status Quo akzeptiert. Man kennt es halt nicht anders. Ist es der Preis für den Fortschritt?  Einige vorwärtsblickende Gemeinden haben erkannt, dass ein Stadtbild ohne Kabel nicht nur ansprechender ist, sondern langfristig auch Kohle spart. Zugleich wird die Lebensqualität angesichts zunehmender Extremwetterereignisse durch weniger häufige Stromausfälle deutlich verbessert. „Sustainable Communities“ ist ein zunehmend aktuelles Schlagwort - vielleicht wird bringt die unaufhaltsame Klimaveränderung letzten Endes das ausschlaggebende Argument für den Umstieg auf eine „kabellose“ Stromversorgung? Die Bäume entlang der Straßen wären jedenfalls sehr dankbar – da bin ich sicher!


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